Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Winter view on the Novosibirsk. Russia.

Bild: getty

"Wenn's dir gefällt, mach es einfach" – wieso Alexander in die sibirische Kälte zog

Es ist kalt in Deutschland. Aber bitterkalt? Nein. In dieser Reihe sprechen wir mit Deutschen, die wissen, was wirklich kalt ist.

Wer Alexander Thömmes erreichen will, muss früh aufstehen. Es ist 6 Uhr in der Früh, draußen ist es noch stockdunkel, als die Skype-Verbindung mit Thömmes dann endlich mal steht. 

Der 29-jährige Materialwissenschaftsstudent lebt nun seit fünf Jahren im eisigkalten Nowosibirsk in Russland. Nowosibirsk, das ist Sibirien. 1,4 Millionen Menschen leben dort – und zwar bei dann doch eher ungemütlichen Bedingungen. 

Bild

Liebt sein Sibirien: Alexander Thömmes.  privat

"Gerade geht es, Minus 15 Grad ist für uns hier noch kein Grund zum Klagen", meint Thömmes. Bei ihm ist es bereits Mittagszeit. Im Winter machen die Russen die Schotten dicht, meint er. Abends seien die Straßen wie ausgestorben. Nur der Schnee fällt noch hin und wieder. Und natürlich der fiese Wind, der unnachgiebig gegen die Häuser der Arbeiterstadt peitscht.

NOVOSIBIRSK, RUSSIA - DECEMBER 9, 2017: A commuter train in the city of Novosibirsk in the evening. Kirill Kukhmar/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS06EC73

Besonders hell wird's nicht im sibirischen Winter. Bild: Kirill Kukhmar/TASS/imago

Die Winter in Nowosibirsk sind lang, kalt – und vor allem dunkel. Vielleicht war es auch deshalb so leicht, Thömmes für ein Gespräch zu bekommen. Der Student erzählt: "Hier leben vielleicht 20 bis 50 Deutsche, doch die meisten sind nur für ein Studium hier." Es ist ein kleiner eingeschworener Kreis, der sich regelmäßig zum Stammtisch trifft und die lokale Brauerei-Szene erforscht. 

Alexander Thömmes:

"Ich kenne vielleicht acht Deutsche, die freiwillig hierhin gekommen sind – und auch bleiben wollen."

Bis zu zweimal die Woche skypt Thömmes mit den Eltern – von den Freunden aus der Kleinstadt bei Trier hört er wenig. Über WhatsApp, da geht natürlich noch einiges. Aber telefonieren? Gar nicht so einfach bei dem Zeitunterschied von sechs Stunden. Die Spiele seines Lieblingsklubs, dem FC Bayern München, hat Thömmes längst aus den Augen verloren. 

"Ich hatte aber neulich Besuch von einem Kumpel aus Deutschland, der fand es ganz fantastisch, dass er die Spiele der amerikanischen NBA hier zur Mittagszeit verfolgen kann."

Wie kommt ein Student ins eiskalte Sibirien?

2012 nahm Thömmes an einem Austauschprogramm seiner Uni mit der russischen Hochschule in Nowosibirsk teil – und war begeistert von der Stadt östlich des Uralgebirges.

"Wenn's dir gefällt, mach es einfach." Das haben Thömmes' Eltern ihm mitgegeben, als er ihnen von seinem Wunsch, nach Sibirien für sein Studium zu ziehen, erzählte. "Hier geht man viele Sache ganz anders ran."

Bild

privat

"Laut niesen oder öffentlich die Nase putzen, das ist hier sehr unhöflich." Das durfte Thömmes einmal in der Metro erfahren: "Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, warum mich alle in der Bahn so entgeistert angeschaut haben." Herzlich seien sie aber, die Russen. Und große Fans von den Deutschen. 

Thömmes: "Mir erzählt hier jeder Taxifahrer von seinen persönlichen Erfahrungen mit Deutschland." Es ist wohl ein Glück, in Nowosibirsk einer der wenigen Deutschen zu sein. Mit Asiaten haben die Russen so ihre Probleme, Ressentiments gäbe es viele. Sagt Thömmes.

Aber beim Wetter sind sich in Nowosibirsk alle einig: Geht es auf die Minus 20 zu, werden schnell die Pelzmäntel rausgekramt: "Im Gegensatz zu den Deutschen wissen die Russen halt, dass es Winter ist."

Thömmes hat den sibirischen Pragmatismus längst verinnerlicht: "Klar, bei Minus 30 Grad wird's dann schon kalt. Und dann frag ich mich auch: Muss ich heute wirklich nochmal in den Supermarkt?" Bis zu 5 Kilo wiegen seine Winterklamotten – ein Kältepaket, das er Tag für Tag schleppen muss.

NOVOSIBIRSK, RUSSIA - JANUARY 31, 2017: Cranes in a port on the Ob River. Kirill Kukhmar/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS03FA16

Novosibirsk Russia January 31 2017 Cranes in a Port ON The whether River Kirill Kukhmar TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS03FA16

Der Hafen der Stadt friert im Winter gerne mal ein. Bild: imago

Aus seinen Russland-Jahren hat er vor allem gelernt:

"Im Grunde ist alles im Leben hier eine Frage der Einstellung."

Man müsse es halt mögen, die sibirische Kälte und die langen dunklen Nächte, meint Thömmes. Und beginnt dann auch schon von der Natur der sibirischen Landschaften zu schwärmen: "Gerade haben wir einen ganz wunderbaren Sonnenschein – so etwas bekommt man in Deutschland gar nicht." Ganz in der Nähe gäbe es einen Stausee, doppelt so groß wie der Bodensee. 

Ein absoluter Wintertraum, dort über die gefrorene Eisfläche zu spazieren. Seine Frau kommt dann immer mit. Elina hat Thömmes hier während seines Studiums kennengelernt. Die Russin ist sicher auch ein Grund, warum Thömmes nicht in den Hunsrück, wo seine Familie wohnt, zurück will. 

Der Student meint: "Sicher könnten wir uns vorstellen, irgendwann nach Deutschland zurückzuziehen. Aber ganz ehrlich? Eigentlich haben wir hier doch alles, was man braucht."

Das könnte dich auch interessieren:

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

"Finde das furchtbar!" Hamburg kämpft gegen Helikoptereltern – diese 3 Mütter machen mit

Link zum Artikel

Nach dem sinnlosen Tod von Hund Sam warnt sie vor diesem Spielzeug

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Frauenarzt?! Was im Rammstein-Video zu "Deutschland" keinem auffiel

Link zum Artikel

9 Eltern, die ihren Sinn für Humor hoffentlich weitervererben

Link zum Artikel

Pete wer??? Die neue Demokraten-Hoffnung ist jung, schwul und will Donald Trump besiegen

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

Vorhaut-Cremes und Unten-ohne-Sonnenbäder: Die absurdesten Promi-Beauty-Tipps

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

Wurden sie über Bord geworfen? Tote Kühe am Strand von Teneriffa angespült

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die schlimmste Flut seit 100 Jahren wütet im indischen Kerala – 350 Tote

Der Monsunregen ist lebenswichtig für die Menschen im heißen Südindien. In diesem Jahr sind die Regenfälle aber besonders heftig. Die Auswirkungen im Bundesstaat Kerala sind verheerend: Viele Menschen sind tot, Retter kämpfen verzweifelt gegen die Wassermassen.

Inmitten der schlimmsten Flut seit 100 Jahren sind Hunderttausende Bewohner des südindischen Bundesstaats Kerala vom Wasser eingeschlossen. Binnen 24 Stunden wurden weitere 27 Todesfälle registriert, wie …

Artikel lesen
Link zum Artikel