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Florian Müller debütierte gegen den Hamburger SV im Mainzer Tor und machte prompt ein starkes Spiel Bild: dpa Foto: Carmen Jaspersen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Interview

Das ist der jüngste Torwart der Bundesliga – und er träumt von der EM im eigenen Land

Luis Reiß

Er ist der aktuell jüngste Torwart in der Bundesliga, der spielt!

In den Junioren-Nationalmannschaften gilt er schon seit Jahren als das größte deutsche Torwart-Talent seiner Altersklasse. Jetzt erobert Florian Müller vom FSV Mainz 05 mit 20 Jahren auch die Bundesliga. Nach der Verletzung des früheren Nationalkeepers René Adler scheint er bei seinem Klub erste Wahl zu sein, zudem ist er erstmals in der U21-Nationalmannschaft dabei.

Im Interview spricht Florian Müller über seinen märchenhaften Karriere-Start und seine Vorbilder.

Herr Müller, Anfang März feierten Sie ein sensationelles Bundesliga-Debüt, brachten den HSV beim 0:0 zum Verzweifeln. Unter anderem hielten Sie einen Elfmeter. Wie haben Sie das verarbeitet?
Florian Müller: Es ist schon unglaublich viel auf mich eingeprasselt danach, viele Nachrichten. In dem Ausmaß habe ich das nicht erwartet. Ich realisiere das alles erst so langsam und merke: Besser hätte es für mich persönlich kaum laufen können, auch wenn ich mir natürlich einen Sieg gewünscht hätte. Das war ein bisschen Gefühlschaos. Wir haben ein sehr schlechtes Spiel in Hamburg gemacht und waren nach dem Abpfiff nicht zufrieden, dieses Gefühl hat auch bei mir trotz meines tollen Debüts überwogen.

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Und plötzlich sind Sie die Nummer eins in Mainz und haben den früheren Nationaltorwart René Adler verdrängt.
Aktuell ist das so klar noch nicht kommuniziert, wer bei uns die Nummer eins ist. Ich versuche mir über den Status nicht so viele Gedanken zu machen, sondern will dem Trainer zeigen, dass es sich lohnt, mir weiter eine Chance zu geben. Ich will mich als Stammtorwart etablieren, das ist mein nächstes Ziel.

Ist Adler mehr Rivale oder Mentor für Sie?
Natürlich sind wir Konkurrenten, verstehen uns aber gut. Und klar: so viel Erfahrung wie er hat, kann ich noch viel von ihm lernen. Er gibt in jedem Training 100 Prozent und heizt uns anderen Torhütern ein. Damit hat er das Niveau bei uns noch einmal angehoben. Wenn ihm etwas auffällt, gibt er auch häufig hilfreiche Tipps.

Zum Beispiel?
Vor dem HSV-Spiel hat er mich in der Kabine auf die Atmosphäre im Stadion vorbereitet. Er hat mir gesagt, ich soll mich nicht von außen beeinflussen lassen, weil das Stadion ein Hexenkessel sein wird und besonders die Anfangsphase sehr hektisch sein wird. Das habe ich in den ersten Minuten beherzigt.

Am vergangenen Wochenende haben Sie die Kehrseite der Bundesliga erlebt: Beim 0:3 gegen Frankfurt leisteten sie sich einen Fehler und wurden sofort kritisiert. Zwei Wochen nach dem Traum-Debüt – wie gehen Sie damit um?
Ich wurde zu Recht kritisiert, das war ganz klar mein Fehler. Aber den habe ich analysiert und abgehakt. Als Torwart bist du schnell der Held oder der Verlierer. Damit musst du umgehen. Du hast im Profi-Fußball keine Zeit, dir zwei Wochen den Kopf zu zerbrechen.

Bei Ihren drei Einsätzen in der Bundesliga sind Sie auffällig oft laut geworden auf dem Platz und haben Ihre älteren Vorderleute zusammengestaucht. Wie schwer fällt das, wenn man mit 20 Jahren neu in eine Mannschaft kommt?
Das hängt davon ab, was für ein Typ du bist. Ich bin außerhalb des Platzes sehr ruhig, aber während des Spiels versuche ich deutliche Ansagen zu machen. Wenn mehrere Aktionen nicht so laufen, wie es besprochen war, muss ich lauter werden.

Aktuell bereiten Sie sich mit der U21-Nationalelf auf die EM-Quali gegen Israel und Kosovo vor. Was wissen Sie überhaupt über diese Gegner?
Wir gehen erst einen Tag vorm Spiel so richtig ins Detail, haben bislang nur über die grundsätzliche Ausrichtung gesprochen. Unabhängig vom Gegner ist klar: Unser Anspruch ist es, jedes Quali-Spiel zu gewinnen und damit auch unsere Gruppe auf Platz eins zu beenden.

Zuletzt hatte die U21 für ihr Alter sehr erfahrene Top-Talente wie Marc-André ter Stegen oder Bernd Leno im Tor. Aktuell sind Sie mit drei Einsätzen der dienstälteste U21-Torwart in der Bundesliga. Woran liegt das?
Vor ein paar Jahren war die Dichte an Top-Talenten sehr, sehr hoch. Viele Plätze in der Bundesliga sind von dieser Generation besetzt. Diese Jungs, wie Bernd Leno, Oliver Baumann oder Timo Horn, haben sich festgespielt und sind im Moment nur schwer zu verdrängen. Und es gibt eben nur 18 Stammplätze in der Bundesliga. Aber wie ich zuletzt selbst gemerkt habe, kann sich schnell und unerwartet eine Chance ergeben.

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In seinem ersten Bundesliga-Spiel brachte Florian Müller die HSV-Offensive zur Verzweiflung Bild: dpa Foto: Axel Heimken/dpa

Von welchen Torhütern schauen Sie sich etwas ab?
Mir hat imponiert, wie sich zuletzt die junge deutsche Generation um ter Stegen und Leno in ganz jungen Jahren zuerst in der Bundesliga, und dann auch sehr schnell in der Champions League bewiesen hat. Was sie geschafft haben, ist unglaublich. Wie schnell sie sich weiterentwickelt haben, wie sie mit dem neuen Druck umgegangen sind – davon möchte ich lernen und auch schnell auf Top-Niveau kommen.

An dieser Stelle wird sonst immer Manuel Neuer genannt.
Das ist ja klar. Er hat das Torwartspiel verändert und die Rolle ein Stück weit neu definiert. Die Ansprüche sind auch durch seine Leistungen enorm gestiegen, was zum Beispiel die Rolle des Torwarts im Spielaufbau angeht. Wir beschäftigen uns auch viel mehr mit taktischen Dingen, dem richtigen Stellungsspiel quasi als Libero. Das macht das Spiel für Torhüter aber auch viel interessanter.

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Florian Müller auf der Bank bei der U21 Bild: dpa Foto: Swen Pförtner/dpa

Sie sind zum ersten Mal in dieser Altersklasse nominiert, haben aber im Gegensatz zu Ihren Konkurrenten im Tor schon Bundesliga-Erfahrung gesammelt. Müssten Sie da nicht automatisch gesetzt sein?
Natürlich habe ich den Anspruch, auch in der U21 zu spielen. Aber darüber habe ich mir in meinen ersten Tagen hier noch keine Gedanken gemacht. Ich will mein ganzes Können zeigen – und hoffe, dass ich dann auch zu meinem ersten Einsatz komme.

Gleichzeitig werben Sie mit dem U21-Team derzeit für ein Fernziel: Deutschland als Ausrichter der EM 2024.
Für unseren ganzen Kader wäre es super. Wir wären zwischen 26 und 28 Jahre alt, also im perfekten Fußballer-Alter. Außerdem sind wir alle geprägt von der Heim-WM 2006, die wir als Kinder miterlebt haben. Und letztes Jahr haben wir schon bei der U19-EM in Deutschland im Kleinen gemerkt, was so ein Turnier für Euphorie freisetzen kann. Deshalb wäre es toll, wenn wir 2024 die Chance auf die Heim-EM hätten.

Dieses Interview ist zuerst auf t-online.de erschienen.

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