Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Ultrafeinstaub: "Der Straßenverkehr ist nicht wie bisher angenommen die Hauptursache"

Prof. Dr. Wolfgang Junkermann ist Physiker am Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des Karlsruher Instituts für Technologie. Wir haben mit ihm über die Auswirkungen von Ultrafeinstaub gesprochen.

Herr Junkermann, Sie forschen an Ultrafeinstaub. Was genau versteht man darunter und womit genau beschäftigt sich Ihre Forschung?
Wolfgang Junkermann: Ultrafeine Partikel haben einen Durchmesser von weniger als 100 Nanometern, sie sind also sehr klein. Trotz ihrer geringen Größe sind sie sowohl gesundheits- als auch klimarelevant. So können sie beispielsweise die Eigenschaften von Wolken und Niederschlag beeinflussen. Deshalb ist es für uns interessant herauszubekommen, wo genau diese Partikel entstehen und wie sie in der Atmosphäre transportiert werden. Wir messen die Partikel bisher häufig an Orten, an denen sie aufgrund der chemischen Voraussetzungen gar nicht entstanden sein können. Deshalb ist es spannend zu gucken, wo das sein kann und wie sie dann verbreitet werden.


Rauchende Schornsteine des Kraftwerks Reuter West

Kohlekraftwerke bringen sogenannten Ultrafeinstaub in die Luft - bemerkbar macht sich dies aber häufig in ganz anderen Regionen. Bild: imago stock&people

Was können Sie zum jetzigen Zeitpunkt darüber sagen?Unsere Messungen ergeben, dass wir eine erhebliche Freisetzung ultrafeiner Partikel in Kohlekraftwerken und Raffinerien haben. Wir konnten zeigen, dass dort deutlich mehr Ultrafeinstaub produziert wird, als beispielsweise im Straßenverkehr. Innerhalb der Filteranlagen sind die Bedingungen für die Entstehung der Partikel ideal, da den Abgasen Ammoniak hinzugefügt wird, um Stickoxide in Wasser und Stickstoff umzuwandeln. Dieses dient dann als Basis für die Entstehung. Wir konnten außerdem zeigen, dass die Partikel in der Luft mehrere hundert Kilometer zurücklegen können.

Das bedeutet, dass die Kraftwerke nicht unbedingt dort zu einer erhöhten Belastung führen, wo sie stehen, sondern auch in anderen Regionen.

Gibt es dafür Beispiele?
Der Bayerische Wald ist hierfür ein gutes Beispiel. Dort würde man erwarten, dass die Belastung mit Ultrafeinstaub deutlich geringer wäre, als sie es tatsächlich ist. Schließlich gibt es außer dem Wald keine Quelle für die Partikel. Unsere Messungen lassen aber den Schluss zu, dass der Ultrafeinstaub von den Kraftwerken in Tschechien hinüber gelangt und die Belastung deshalb so hoch ist. Andersherum nimmt man die Belastung durch die Kraftwerke in Berlin beispielsweise nicht wahr, sondern erst in Brandenburg, obwohl sie in Berlin stehen. Das zeigt, dass der Ursprungsort nicht unbedingt ausschlaggebend für den Ort der Belastung ist. Eine spannende Beobachtung vor allem wenn man davon ausgeht, dass Ultrafeinstaub gesundheitsschädlich ist und sich unmittelbar aufs Klima auswirkt.

Sie selbst sind im Bereich der Klimaforschung unterwegs, welche Konsequenzen hat Ultrafeinstaub dort?
Die Partikel geraten über die Atmosphäre in die Wolken und beeinflussen die Entstehung von Wolkentröpfchen. Denn diese werden in Anwesenheit der Partikel kleiner und es dauert länger bis sie die richtige Größe haben um abzuregnen. Dieses Phänomen lässt sich beispielsweise in Australien beobachten. In der Gegend rund um Perth müssten die Niederschläge eigentlich seit den siebziger Jahren zunehmen. Stattdessen beobachten wir eine Abnahme um 25 Prozent. Schaut man dann nach den Ursachen, sieht man, dass die Zahl der ultrafeinen Partikel in dieser Region fünf bis zehnmal höher ist als zuvor. Diese Beobachtungen passen zu unserer Theorie, dass die Kraftwerke sich auf die räumliche und zeitliche Verteilung von Niederschlägen auswirken.

Die Folge ist aber nicht unbedingt, dass es weniger regnet, es könnte auch sein, dass extreme Regenereignisse durch sie verstärkt werden.

Den genauen Zusammenhang muss man aber noch untersuchen, was leider dadurch erschwert wird, dass es oft keine entsprechenden Langzeitmessungen gibt.

Was sind neben solchen Langzeitmessungen die nächsten Schritte, die man nun erforschen sollte?
Die Ergebnisse sind eine gute Grundlage für die Gesundheitsforschung, wo man klären muss, wie schädlich die Partikel sind und ob es neue Grenzwerte braucht, wenn der Straßenverkehr nicht wie bisher angenommen die Hauptursache ist. Das sind aber Fragen für Epidemiologen. Für uns Klimaforscher ist es vor allem spannend herauszufinden, wie die Partikel aus den Quellregionen in die Zielregionen gelangen und wie man diese Prozesse quantifizieren kann. Außerdem gilt es zu überlegen, inwiefern Kohlekraftwerke künftig stärker in Emissionsszenarien eingebunden werden müssen.

"Die Debatte" auf watson.de

Auf watson könnt ihr jetzt Beiträge von "Die Debatte" lesen. Das Projekt will wissenschaftliche Fakten und Perspektiven in gesellschaftliche Debatten einbringen und Diskussionen anstoßen. "Die Debatte" startet heute mit dem Thema Feinstaub: Was genau ist das eigentlich und warum ist er schädlich für unsere Gesundheit?

Hat nichts mit Feinstaub zu tun: Woran erkennt man, dass eine Frau einen Orgasmus hat?

abspielen

Video: watson/Gunda Windmüller, Lia Haubner

Das könnte dich auch interessieren:

Das? Das ist nur die wohl umfangreichste Schatzkarte aller bisherigen Zeiten

Link zum Artikel

Böhmermann macht aus "GoT" die "Game of Shows" – mit Gottschalk und LeFloid

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel

Trotz Verbots: Polnische Gemeinde verbrennt wieder antisemitische "Judaspuppe"

Link zum Artikel

Diesen ekligen Sitznachbarn im Flugzeug will keiner haben

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Sri Lanka: Zahl der Todesopfer steigt auf 310 – Hinweise auf "Vergeltung" für Christchurch

Link zum Artikel

Erdbeben auf den Philippinen: Hier stürzt ein Hochhaus-Pool auf die Straße

Link zum Artikel

Wie Hartz IV meine Familie verändert hat

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Getötete Journalistin in Nordirland: Militante Gruppe veröffentlicht Bekennerschreiben

Link zum Artikel

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

Exklusiv: 5 unangenehme Fragen an einen White Walker

Link zum Artikel

Militärdienst für die Jungs von BTS – das denken die K-Popstars darüber

Link zum Artikel

Ukraine-Wahl: Komiker Selenskyj neuer Präsident

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

"Game of Thrones": Ein beliebter Charakter lebt noch

Link zum Artikel

Defekte Displays – Samsung verschiebt weltweiten Verkaufsstart des Galaxy Fold

Link zum Artikel

PAOK Saloniki wird erstmals seit 34 Jahren Meister – und die Ultras drehen völlig ab

Link zum Artikel

Sri Lanka: Einheimische Islamisten sollen die Anschläge verübt haben

Link zum Artikel

FPÖ provoziert mit "Ratten-Gedicht" über Geflüchtete – Kanzler Kurz: "abscheulich"

Link zum Artikel

E-Auto als Klimasünder? Neue Tesla-Studie sorgt für Wut – weil sie Mängel aufweist

Link zum Artikel

Dieses Rätsel ist so einfach, du wirst es niemals zugeben, wenn du es nicht lösen kannst

Link zum Artikel

Politiker-Lügen, Manager-Boni: Wir leben in einer schamlosen Zeit

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

Influencerin geht in Neuseeland baden – und wird dafür abgestraft

Link zum Artikel

Journalistin macht sich über Enissa Amani lustig – deren Fans starten eine Insta-Hetzjagd

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

An Hitlers Geburtstag legt die Schweiz die Nazi-Elf aufs Kreuz

Link zum Artikel

Sex-Szene bei "Game of Thrones" – die Fans flippen aus

Link zum Artikel

Der Cast von "Avengers: Endgame" hat das beste Musik-Remake des Jahres herausgebracht

Link zum Artikel

Sie eiferte Steve Jobs nach – und wurde zur größten Betrügerin im Silicon Valley

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Kritische Schwelle" erreicht: So heiß wird die Erde in den nächsten 5 Jahren

Überall in Europa haben Schüler bei Klimastreiks den "Klimanotstand" ausgerufen.

Und das offenbar nicht ohne Grund: Wie das britische "Met Office" am Mittwochabend bekannt gab, befindet sich unser Planet inmitten der wärmsten Dekade, welche die Erde seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850 erlebt. 

Die Weltwetterorganisastion (WMO) veröffentlichte am Mittwoch ebenfalls ihre neuesten Auswertungen. 

Die vergangenen vier Jahre waren nach Angaben WMO die wärmsten seit Beginn der …

Artikel lesen
Link zum Artikel