Fußball
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Jugendspieler von Borussia Dortmund. Der BVB hatte eine clevere Idee, seine Talente für Wettmanipulation zu sensibilisieren. Bild: imago/Oliver Baumgart

Warum der BVB einen Darsteller engagierte, der einen Gangster spielte

Was früher nervige Werbungen für Klingeltöne oder Jamba-Sparabos waren, sind heute die Claims der Wettanbieter auf Pay-TV-Sendern: "Lass uns mal bei ... tippen!", "Ihre Wette in sicheren Händen", "Jetzt 100 Euro Bonus sichern".

Sie heißen Tipico, Betway, Bet-At-Home, Bet 365, Bet 3000 oder Unibet. Wer oft Fußball im Bezahlfernsehen schaut, kennt sie. Sie locken mit Quoten, Startboni und berühmten Testimonials wie Oliver Kahn (Tipico).

Wetten auf Fußballspiele. Ein boomendes Geschäft. Das gilt auch für den deutschen Fußball. Erste und zweite Bundesliga, Dritte Liga, Regionalligen, Jugendligen – es gibt fast nichts, auf das man nicht wetten kann. Die Profi-Clubs mischen munter mit und werden von den Wettanbietern gesponsert. 

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Bild: imago sportfotodienst

2017 wurden 40 Milliarden Euro auf Spiele in Deutschland gesetzt

Alleine 2017 wurden weltweit 40 Milliarden Euro von lizenzierten Wettanbietern auf Spiele in Deutschland gesetzt. Auf ein (!) Spiel der U19-Bundesliga setzen Wetter durchschnittlich 460.000 Euro. (Kicker)

Das birgt Gefahren.

Präventionsarbeit, um auf Gefahren von Spielmanipulation aufzuklären

Vor allen junge Spieler wollen die Verantwortlichen über die Hintergründe und Gefahren von Spielsucht und Manipulationen aufklären.

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Der wohl bekannteste Fall von Spielmanipulation in Deutschland: Im Jahr 2004 verpfeift Schiedsrichter Robert Hoyzer unter anderem ein Pokal-Spiel des HSV.

Denn Spielmanipulation finden häufig fernab der Bundesliga in unteren Ligen beziehungsweise in den Jugendligen statt. Dort, wo nicht so viel Medienpräsenz ist, wo nicht zig TV-Kameras verdächtige Spielszenen festhalten könnten. So stehen die rund 3.000 Spieler der U16 bis U23 der Nachwuchsleistungszentren im Blickpunkt der Präventionsarbeit.

Man müsse schon in den bundesweit 36 Leistungszentren ansetzen und die Nachwuchstalente für solche Vorkommnisse sensibilisieren und das Verantwortungsbewusstsein schärfen, erklärte der DFL-Direktor für Sport und Nachwuchs, Andreas Nagel. Bisher seien die Schulungen in 32 Clubs durchgeführt worden.

Borussia Dortmund hatte eine besondere Idee

Um seine Jugendspieler zu sensibilisieren, hatte Borussia Dortmund eine besonders clevere Idee: Der BVB engagierte einen Schauspieler, der einen dubiosen Wettbetrüger mimte, und die Spieler abseits des Trainingsplatzes ansprach. Das berichtet Kicker.de.

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Das Trainingsgelände des BVB in Dortmund-Brackel. Bild: imago sportfotodienst

Demnach wurden die Dortmunder Jugendlichen mit einer theoretisch verlockenden Situation konfrontiert, ein Spiel zu manipulieren und dafür Geld zu kassieren. Der didaktische Gedanke dahinter: Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist besser, als den Jugendspielern im Frontalunterricht Theorie aufzutischen.

DFL will mit Hotline und App dagegen vorgehen

"Egal wie gut man durch hohe Gehälter und eine hohe Medienpräsenz abgeschirmt ist: Wir haben immer eine Restgefahr", sagte Carsten Thiel von Herff, der unabhängige Ombudsmann der DFL und des DFB, am Montag in Frankfurt/Main.

Spieler dürfen nach den Regeln des DFB nicht wetten oder Spiele manipulieren. Außerdem dürfen sie kein Insiderwissen weitergeben und unterliegen einer Meldepflicht: Werden sie auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam oder haben Hinweise auf eine geplante Manipulation, können sie sich jederzeit telefonisch unter 0800-6628376269 oder künftig mit einer neuen App bei Thiel von Herff melden.

DPA

Die Situation mit dem Schauspieler wurde dann aufgelöst, um das vermeintlich unmoralische Angebot und die damit einhergehenden Gedanken und Zweifel mit den Jugendspielern zu diskutieren. Ob einer oder mehrere Jugendspieler des BVB auf die unseriösen Angebote des Schauspielers ansprangen, ist nicht bekannt. Doch sie sollten so oder so etwas fürs richtige Leben gelernt haben.

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(as/dpa)

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Video: watson/Marius Notter, Lia Haubner

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