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400 Jahre 30-jähriger Krieg und was für heutige Konflikte daraus folgt

Peter Riesbeck
Peter Riesbeck

Vorsicht, wir gehen weit zurück. Mit dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1648 beginnt der 30-jährige Krieg. 3 Fakten und ein Fazit, was sich für Syrien und andere aktuelle Konflikte daraus lernen lässt.

Was geschah? Ganz ohne Geschi geht's nicht!

Keine Angst, er fällt weich:

An actor wearing a traditional costume is thrown out of a window during a performance to celebrate the anniversary of the First Defenestration of Prague, in Prague, Czech Republic, 31 July 2009. The Defenestrations of Prague were two incidents in the history of Bohemia, the first one occured in 1419, the second one in 1618. The term

Bild: dpa

Am 23. Mai 1648 – vor 400 Jahren! – flogen in Prag zwei Gesandte des habsburgischen Kaisers aus dem Fenster. Keine Angst, sie fielen weich. Auf einen Misthaufen!​

Der Eklat war dennoch groß. Die (protestantischen) Stände Böhmens, stellten sich gegen den (katholischen) Kaiser in Wien. Nach langen Verhandlungen schien ein Ausgleich möglich: mehr Autonomie für Böhmen, Oberhoheit des Kaisers in Wien. 

Doch kurz vor dem möglichen Frieden von Eger starb 1619 Kaiser Matthias. Kaiser Ferdinand, sein Nachfolger auf dem Habsburger-Thron in Wien, setzte auf Konfrontation.

Der Krieg nahm seinen Lauf. Und so auch etliche Missverständnisse, die sich bis heute darüber halten – wie die Mär vom Religionskrieg.

Der Krieg in Kürze

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Die Stadt Magdeburg wird 1531 von kaiserlichen Truppen fast vollständig zerstört Bild: dpa/akg

Der 30-jährige Krieg war eine Abfolge von Kriegen:

3 Persönlichkeiten und ihre Widersprüche

Reicht es nicht mit Geschichte? Drei Persönlichkeiten, ihre Widersprüche und die Überleitung zu heute.

1. Albrecht von Wallenstein (1583-1634)

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Bild: www.picturedesk.com

Der Feldherr des (katholischen) habsburgischen Kaisers in Wien inspirierte Schiller zu einem Drama. Und nervte Generationen von Schülerinnen und Schülern. Er siegte für Kaiser Ferdinand im Krieg gegen Dänemark und hielt stand gegen Schwedens König Gustav Adolf. Er wurde mit dem Herzogtum Mecklenburg belohnt, doch das ging bald verloren und endete tragisch. Weil er auf eigene Faust nach einer Friedensverhandlung fahndete, wurde er mit kaiserlicher Billigung ermordet. Die Lehren: 

2. Gustav II. Adolf, König von Schweden (1594-1632)

Der (protestantische) König von Schweden steigt auf Wunsch und dank finanzieller Förderung des (katholischen) Königs von Frankreich in den Krieg ein. Das zeigt schon: Es ging ihm weniger um den Glauben als um Geld, Macht und Einfluss auf dem Kontinent. Er gewann seine letzte Schlacht, bezahlte dafür aber mit dem eigenen Leben. So ist er, der Krieg: Kennt fast nur Verlierer.

3. Kurfürst Johann Georg (1585-1656)

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Bild: dpa-Zentralbild

"Ich fürchte Gott, liebe Gerechtigkeit und ehre meinen Kaiser“, lautete der Wahlspruch Johann Georgs. Der (protestantische) Kurfürst von Sachsen war ein ehrlicher Makler zwischen den Interessen der protestantischen Landesherren und den Erfordernissen des gesamtdeutschen Reiches, etwa im böhmisch-habsburgischen Krieg. Dafür musste er teuer bezahlen: Vor allem nach dem Kriegseintritt der Schweden wurde sein Territorium zum Schlachtfeld und verheert. 

Bilanz: Von Prag nach Syrien

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Straßenszene im syrischen Manbij Bild: dpa

Die Folgen des 30-jährigen Krieges waren verheerend. Knapp die Hälfte der Bevölkerung in Mitteleuropa starb durch den Krieg, Hunger oder Pest. Es folgten gewaltige Einwanderungswellen in die entleerten Gebiete, etwa aus Italien in die Pfalz.

Der Politikwissenschaftler und Weltendeuter Herfried Münkler hat in seinem epochalen Werk "Der dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe, deutsches Trauma" den kriegerischen Konflikt mit dem Krieg in und um Syrien verglichen. Zuletzt sagte er im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen":

"Im Vorderen Orient verläuft die Hauptkonfliktlinie in religiös-konfessioneller Hinsicht zwischen Sunniten und Schiiten. Es ist eigentlich wie im Europa des 17. Jahrhunderts, ein Konflikt innerhalb einer Glaubensrichtung, aber mit unterschiedlichen Bekenntnissen und Traditionsbehauptungen. Ich würde nicht sagen, dieser Konflikt dreht sich wesentlich und ausschließlich um die Frage Schia versus Sunnitentum. Aber indem ein Konflikt, der um eine Verfassungsfrage ausgebrochen ist – Arabischer Frühling, ungefähr so wie Prag –, mit der konfessionellen Frage angereichert wird, bekommt er eine besondere Intensität und Heftigkeit.

Herfried Münkler, Politikwissenschaftler

Dagegen wandte sich der Historiker Johannes Burkhardt in seinem Buch "Krieg der Kriege."

Sein Fazit aus dem 30-jährigen Krieg:

Was folgt daraus für die Bewertung des Konflikts in Syrien? Burkhardt rät, mehr auf die Mechanismen des Friedens und der Diplomatie zu achten, als auf die gewaltverzerrende Rolle der Religionen. 

Diese Befriedungsmittel, [...] die in Diplomatie und Völkerrecht eingegangen sind, bleiben des Gedächtnisses würdig. Nicht zuletzt sind einige auch im heutigen Instrumentarium von Verhandlungspraxis und Friedenspolitik wiederzufinden und könnten [...] das diplomatische Handwerk durch eine historisch basierte Politikberatung bereichern [...] Grundlegend war eine die politischen Aktivitäten begleitende Sprache des Friedens.

Johannes Burkhardt, Krieg der Kriege. 2018.

Die Bilanz des Westfälischen Friedens lautet also: Frieden ist machbar. Per Vertrag. Dabei ist es sinnvoll, die Religion weitgehend auszuklammern und nach machtpolitischen Interessen zu fragen.

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