Leben
R. Kelly walks to his vehicle after exiting a cigar lounge in Chicago on Monday, Feb. 25, 2019.  A suburban Chicago woman posted the $100,000 bail for R. Kelly to be freed from jail while he awaits trial on sexual abuse charges.  (Tyler LaRiviere/Chicago Sun-Times via AP)

R Kelly in der Freiheit am Montag in Chicago. Zuvor hatte der Sänger, gegen den in zehn Fällen wegen sexuellen Missbrauch ermittel wird, eine Zigarren-Bar besucht. Bild: Chicago Sun-Times/ap

Jetzt also doch: R. Kellys Deutschland-Konzert wird nach Missbrauchs-Vorwürfen abgesagt

Der Sänger R Kelly, gegen den in diesen Tagen wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen ermittelt wird, wird in den kommenden Monaten wohl doch nicht auf einer deutschen Bühne auftreten.

Ein zweites Deutschland-Konzert war bislang für den 14. April in der Hamburger Sporthalle geplant. Für diesen Auftritt wurde nach Angaben des Konzertkarten-Händlers Eventim vom Dienstag zunächst der Vorverkauf gestoppt. Im Januar hatte das Bezirksamt Hamburg-Nord als Vermieter der Halle mitgeteilt, dass die Behörde keine rechtliche Handhabe sehe, den Vertrag einseitig zu kündigen.

Kelly war am Freitag wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen über zwölf Jahre mit teils minderjährigen Opfern angeklagt worden. Vor Gericht plädierte er auf nicht schuldig. Er verbrachte das Wochenende im Gefängnis in Chicago und kam am Montag laut Medienberichten gegen Kaution frei. Videos zeigten den 52-Jährigen, wie er in einer Winterjacke mit seinem Anwalt in einen schwarzen Van steigt. Zuvor war er in orangefarbener Häftlingsunform zur Anhörung erschienen. Wann ein möglicher Prozess beginnen könnte, ist unklar.

Laut "Chicago Tribune" wurde die Kaution auf eine Million Dollar (880.000 Euro) festgesetzt. Kelly war der Zeitung zufolge nicht in der Lage, die benötigten 100 000 Dollar - zehn Prozent der Kaution - selbst zu zahlen. Laut Gerichtsdokumenten legte eine Freundin aus der Nähe von Chicago die Summe vor, hieß es in dem Bericht.

Dem Sänger geht das Geld aus...

Berichten zufolge steckt der dreifache Grammy-Gewinner, der geschätzt 75 Millionen Alben verkauft und weltweit Konzerthallen gefüllt hat, in Geldnot. Laut CBS liegt ein Räumungsbeschluss für sein Studio in Chicago vor, wo er wegen nicht gezahlter Miete sowie Anwalts- und Gerichtskosten Schulden in Höhe von 173.000 Dollar (152.000 Euro) hatte. 2011 war sein Anwesen südlich von Chicago zwangsversteigert worden, dort hatte Kelly Berichten zufolge Schulden von 2,9 Millionen Dollar (2,6 Mio Euro). Seiner Ex-Frau schuldet er Berichten zufolge außerdem 169.000 Dollar (149.000 Euro) Unterhalt.

Der aus Chicago stammende R&B-Sänger erreichte mit Hits wie "Bump N' Grind" und "I Believe I Can Fly" Millionen Fans. Die ersten Vorwürfe gegen den Musiker mit dem bürgerlichen Namen Robert Kelly wurden vor 20 Jahren bekannt - verurteilt wurde er bisher nicht. Neues Aufsehen erregten die Vorwürfe einer TV-Dokumentation Anfang Januar.

Seitdem gab es Proteste gegen Auftritte Kellys. Eine Petition wegen der geplanten Konzerte in Deutschland - mit dem Ziel, "Sexualverbrechen keine Bühne (zu) geben" - kam auf etwa 240 000 Unterstützer. Das zum Konzern Sony Music gehörende Label RCA beendete Berichten zufolge seine Zusammenarbeit mit Kelly. Auch am Sitz des Labels in New York sowie in Kalifornien hatte es Proteste gegeben.

Das Neu-Ulmer Kelly-Konzert hatte die Ratiopharm-Arena noch Anfang Februar mit der Begründung verteidigt, die Vorwürfe gegen Kelly seien durch kein Gericht bestätigt worden. Es seien aber "vertragliche Vorkehrungen getroffen" worden, falls neue Fakten auftauchten. Wegen der Erstattung gekaufter Karten sollten sich die Fans nun an den Tourveranstalter wenden.

(pb/dpa)

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