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epa04145698 Silver medalist Yulia Lipnitskaya of Russia waves to fans after the awarding ceremony of the women's singles competition for the ISU World Figure Skating Championships in Saitama, north of Tokyo, Japan, 29 March 2014. EPA/KIMIMASA MAYAMA +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Yulia Lipnitskaya winkt ihren Fans zu (c) dpa - Bildfunk

Danach die Magersucht – das wurde aus dem 15-jährigen Star von Sotschi

30.03.18, 18:11 31.03.18, 15:07

Adrian bürgler

Yulia Lipnitskaya war einer der Stars der Olympischen Spiele von Sotschi. Mit 15 Jahren führte sie Russland zu Gold im Eiskunstlauf-Teamwettkampf. Vier Jahre später ist sie zurückgetreten.

Es war ein erster Höhepunkt einer vielversprechenden und höchstwahrscheinlich glanzvollen Karriere. Am 27. Februar 2014 zauberte die 15 Jahre junge Yulia Lipnitskaya eine unglaubliche Kür auf die Fläche im Eisberg-Eislaufpalast von Sotschi. Gemeinsam mit Superstar Evgeni Plushenko führte sie Russland zur Goldmedaille im Teamwettbewerb.

Russland war stolz auf seinen neuen Star. Sie wurde gar zum "Gesicht von Sotschi" erkoren. Plushenko sagte: "Yulia ist eine kleine Legende. Sie hebt das russische Eiskunstlaufen in neue Sphären." Selbst Wladimir Putin gab sich zufrieden. Der russische Präsident lobte Lipnitskaya explizit und höchstpersönlich. Sie erhielt – wie alle russischen Medaillengewinner in Sotschi – ein Auto geschenkt. Aufgrund ihres jungen Alters kam das Geschenk mit einem Chauffeur.

Doch mit dem grossen Erfolg stieg auch der Druck. Ein Druck, dem die junge Eiskunstläuferin nicht standhielt. Nach Sotschi folgten enttäuschende Ergebnisse. Darüber hinaus musste Lipnitskaya sich auch noch mit Hüft- und Rückenverletzungen herumschlagen.

Schon kurz nach ihrem Olympia-Triumph hatte sich die Russin über "konstanten Stress" beklagt. Es sei extrem schwer die Erwartungen des Publikums, aber auch die eigenen zu erfüllen. Die Olympiasiegerin galt als äußerst ehrgeizig. Zweite Ränge empfand sie als Niederlagen.

"Eine Weiterführung meiner Karriere war unrealistisch."

Yulia Lipnitskaya

Im April 2017 reichte sie beim russischen Verband den Rücktritt ein. Die schockierende Nachricht: Lipnitskaya begibt sich wegen Magersucht in klinische Behandlung. "Ich habe lange, mehrere Monate, über diesen Schritt nachgedacht. Eine Weiterführung meiner Karriere war einfach unrealistisch", sagt die Russin im Interview mit einer russischen News-Plattform.

Nach Angaben ihrer Mutter hat sich die junge Sportlerin in gesundheitsgefährdende Gewichtsregionen gehungert. An Spitzensport war nicht mehr zu denken.

Logischerweise war das nicht das Ende einer Karriere, wie sie es sich erträumt hat: "Ich hatte noch viele Ziele, wollte mich weiter verbessern. Aber meine Gesundheit hat das nicht zugelassen."

Lipnitskaya wirbelt in Sotschi (c) dpa - Bildfunk

Lipnitskaya sagt, der Erfolg von Sotschi habe sie dennoch auch stark gemacht. "Ich war eine extrem introvertierte Person. Nach den Olympischen Spielen 2014 musste ich mich zwangsläufig anpassen." Seither könne sie viel einfacher und offener mit Menschen sprechen.

Unter anderem auch deshalb bereut sie es, dass sie die Öffentlichkeit nicht früher über ihren Zustand informiert hat. Sie habe noch lange Wettkämpfe bestritten, obwohl die Krankheit bereits die Kontrolle übernommen hatte. "Magersucht ist eine Krankheit des 21. Jahrhunderts und leider weit verbreitet. Dennoch hatte ich damals das Gefühl, dass es stigmatisiert würde."

"Die Ungewissheit war das Schlimmste."

Yulia Lipnitskaya

Lipnitskaya sei während ihrer Zeit in der Klinik in Israelkomplett von der Umwelt abgeschnitten gewesen – ohne Telefon, mit ein paar wenigen Menschen, die Russisch oder Englisch sprachen. Nur sie, die Heldin einer Nation und der lähmende Gedanke an eine Zukunft nach dem Spitzensport: "Die Ungewissheit war das Schlimmste. Ich hatte keine Ahnung, was nach der Klinik auf mich warten wird."

Mittlerweile scheint es dem "Gesicht von Sotschi" aber wieder etwas besser zu gehen. Ihre Aktivität auf Social Media hat wieder zugenommen. Und die heute 19-Jährige hat auch Pläne für die Zukunft: "Ich würde gerne Sportmanagement studieren."

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