Drei Ligen, 56 Mannschaften, 28 Spiele. Wenn zwischen Dienstag und Donnerstag in den obersten drei Fußballligen die englische Woche angepfiffen wird, dann bleibt es in vielen der 28 Stadien die ersten 20 Minuten still.
Der Zusammenschluss der Fußball-Fanszenen in Deutschland geht mit einem "bundesweiten Aktionsspieltag" erneut auf Konfrontation zum DFB und zur DFL. Die Interessenvertretung Pro Fans hält die angekündigten Proteste bei den Spielen der Bundesliga, der 2. Bundesliga und der 3. Liga für alternativlos. "Was bleibt uns denn anderes übrig?", sagte Pro-Fans-Sprecher Sig Zelt der Deutschen Presse-Agentur am Montag.
"Wir haben in einem Jahr Dialog gesehen, dass nicht viel dabei herauskommt", sagte Zelt. Der Zusammenschluss der Fanszenen hatte im August die Gespräche mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) aufgekündigt und für den fünften Spieltag zu einem Stimmungsboykott in den ersten 20 Minuten jeder Partie aufgerufen. Damit nehmen sie Clubs und Liga das, wofür viele andere Länder den deutschen Fußball beneiden: ihre Stimmung, die Leidenschaft und die tollen Choreos.
Zentrale Forderung der "Fanszenen Deutschlands" ist, dass die Fußball-Verbände wieder die Interessen der Fans und nicht die von Investoren in den Vordergrund rücken. Das Fanbündnis begründete den Protest damit, "dass der Fußballsport noch weiter seiner sozialen und kulturellen Wurzeln beraubt werden soll, um ihn auf dem Altar der Profitgier von den Verbänden auszunehmen".
Und weiter: "Wir sehen es mehr denn je als unsere Verantwortung gegen den DFB und die DFL aufzustehen und wissen zehntausende Unterstützer in den Kurven des Landes hinter uns."
Als Beispiele für die "Entfremdung" wurden genannt:
Am Donnerstag kürt das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union den übernächsten EM-Ausrichter. Deutschland will sich gegen die Türkei durchsetzen. Laut Zelt hat der Zeitpunkt der Fanproteste zwar nichts mit der Vergabe des Turniers 2024 zu tun, doch Negativschlagzeilen kann der DFB trotzdem nicht gebrauchen. Bereits am Wochenende hatten Fans mit Spruchbändern kritisch auf die deutsche Bewerbung Bezug genommen.
Der DFB und die DFL wollten die bevorstehenden Proteste nicht kommentieren. Ein DFL-Sprecher verwies auf die AG Fankulturen, in der DFL und DFB mit einem breiten Spektrum von Fan-Organisationen im Austausch stehen. Auch der Zusammenschluss der Fanszenen Deutschlands ist eingeladen, lehnt aber eine Teilnahme ab.
In der AG seien bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht worden, darunter ein Pilotprojekt zur einheitlichen Regelung von Fan-Utensilien in den Stadien, die Abkehr von Kollektivstrafen bei Fan-Verstößen, mehr Transparenz in der Sportgerichtsbarkeit bei Vergehen von Anhängern und die Beibehaltung von Stehplätzen. "Diese Ergebnisse sind der beste Grund, den Austausch zwischen Fan-Organisationen und Verbänden fortzusetzen", sagte ein DFL-Sprecher.
Zuletzt hatten die Clubs beschlossen, dass es in der Bundesliga bei maximal fünf Montagsspielen pro Saison bleiben solle. Darüber hinaus schloss DFL-Geschäftsführer Christian Seifert aus, Pflichtspiele auf ausländischem Boden austragen zu lassen.
Doch offensichtlich reichen diese Ergebnisse einem großen Teil der Fans nicht aus. Schon bei den Partien der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals im August war es zu Protestaktionen unter dem Motto "DFB, DFL & Co. – Ihr werdet von uns hören!" gekommen. Wenige Tage später gab der Zusammenschluss bekannt, den Dialog mit dem DFB und der DFL aufzukündigen.
Mit ihrem am vergangenen Donnerstag angekündigten "bundesweiten Aktionsspieltag" will der Zusammenschluss der Fanszenen noch mehr Menschen für ihre Anliegen sensibilisieren und mobilisieren.
(bn/dpa)