Die Fans des VfB Stuttgart haben eine klare Meinung zum Videoschiedsrichter. 
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"Deutschland, du mieses Stück Scheiße" – 15 Fan-Aktionen der Bundesliga

03.09.2018, 12:5103.09.2018, 14:13
watson sport

Der zweite Spieltag der Bundesliga ist gelaufen und der FC Bayern steht schon wieder an der Tabellenspitze. Langweilig? Langweilig! Dabei hat die Bundesliga so viel mehr zu bieten. Zum Beispiel: die Fans, die an diesem Spieltag sehr politisch wurden.

watson schaut in die Fankurven der Bundesliga und zeigt die wichtigsten Banner, Choreos oder andere Aktionen und erklärt das, was sie damit meinen:

Hannover 96 – Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

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Die BVB-Fans starteten den zweiten Spieltag mit einer Choreo zu Ehren ihrer Heimatstadt, auf der diverse Sehenswürdigkeiten wie das Dortmunder "U" oder das Westfalenstadion zu sehen waren. Aber sie machten auch klar, dass offenbar nicht jeder in der Ruhrmetropole willkommen ist. ("You're not welcome")

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"Kind still not welcome" – die Dortmunder Ultragruppe "Jubos" zeigte, was sie von 96-Präsident Martin Kind hält, der seit Jahren versucht die 50+1-Regel zu kippen.

Was ist 50+1?
Die meisten Bundesliga-Vereine haben ihre Profi-Abteilungen ausgegliedert – zum Beispiel in Aktiengesellschaften (AG) oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH). Das Ausgliedern ist allerdings nur erlaubt, solange die Clubs mehr als die Hälfte der Stimmanteile (also 51 Prozent) an den Unternehmen behalten. Damit soll gewährleistet werden, dass die Clubs selbst das Sagen haben und nicht abhängig sind von einem launigen Investor oder einem kalkulierenden Investoren.

So gehören zum Beispiel den Firmen Adidas, Audi und Allianz jeweils 8,33 Prozent der Profiabteilung des FC Bayern – 75 Prozent aber dem Verein.

Ausnahmen sind Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim, die davon profitieren, dass Geldgeber, die "länger als 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert haben", eine Mehrheit haben dürfen. (Tagesschau/Unsere Kurve)

Hannover 96

Auf Seiten der 96-Fans wurde eine großer Fußball hochgezogen, der eine Rote Karte als Paragraph. Darunter stand auf einem Spruchband: 

"Am 08.09. dem Polizeigesetz die rote Karte Zeigen für Freiheit, Grund- & Bürgerrechte"

Hintergrund ist die Großdemonstration am 8. September in Hannover, die vom Bündnis "#noNPOG – Nein zum neuen niedersächsischen Polizeigesetz" den Landtag dazu auffordert, die geplanten Änderungen am Polizeigesetz nicht zu beschließen.  

Das könnte dann so aussehen wie in NRW, wo auch zahlreiche Fußballfans demonstrierten:

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen

Eintracht Fankfurt

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Die Fans der Eintracht huldigten nochmals ihrem insgesamt fünften DFB-Pokalsieg, den sie in der letzten Saison gewannen, mit einer riesigen Adler-Choreo.

Und sie zeigten mit einem "UEFA = Mafia"-Banner, was sie vom Europäischen Fußballverband halten. Der hatte die Vorfreude auf das Comeback der SGE in der Europa League geschmälert, weil das Auswärtsspiel bei Olympique Marseille am 20. September unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Die Franzosen wurden wegen einiger des Fehlverhaltens ihrer Fans zu dem Geisterspiel verdonnert – und Franfurt leidet nun darunter.

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Werder Bremen

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Die Werder-Fangruppe "Caillera" wurde beim Auswärtsspiel in Frankfurt politischer und äußerte sich unmissverständlich zu den rechtsextremen Vorfällen in Chemnitz. Die provokante Ansage: "Deutschland, du mieses Stück Scheiße!". Sie kritisierten auch die zögernde Rolle von Politik und Polizei.

Dabei erinnerten sie daran, dass das fremdenfeindliche Chemnitz nur ein Kapitel von vielen in Deutschland war – und zeigten Städtenamen, die dies verdeutlichen sollen.

Sie erinnerten an...

  • die Ausschreitungen von Hoyerswerda, bei denen im Jahr 1991 hunderte Menschen an rassistischen Angriffen auf ein Wohnheim für Vertragsarbeiter sowie ein Flüchtlingswohnheim teilnahmen.
  • Rostock-Lichtenhagen, das 1992 tragische Berühmtheit wegen rassistischer Angriffe gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter im sogenannten Sonnenblumenhaus erlangte.
  • den linksalternativen geprägten Leipziger Stadtteil Connewitz, der unter anderem im Januar 2016 von über 200 gewaltbereiten Hooligans und Kampfsportlern aus der Neonazi-Szene überfallen wurde.
  • die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Heidenau, wo bis zu 1000 Menschen versuchten, eine Flüchtlingsunterkunft anzugreifen.

FC Augsburg - Borussia Mönchengladbach

FC Augsburg

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Die FCA-Fans feierten die Umbennung ihrer Stehplatztribüne zu Ehren von Vereinslegende Ulrich Biesinger zur "Ulrich-Biesinger-Tribüne". Vorausgegangen war eine Kampagne der aktiven Fanszene, die dem bisher einzigen Weltmeister von 1954, der zeitgleich seine Schuhe für den FCA-Vorgänger BC Augsburg schnürte, huldigen wollten. 

Borussia Mönchengladbach

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Die Gladbacher Fans hatten eine schlichte schwarz-grüne Choreo gemacht mit der Ansage "Gemeinsam für Borussia".

VfB Stuttgart – FC Bayern München

VfB Stuttgart

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Die Cannstatter Kurve kritisierte den Videobeweis und sprach sich für die 50+1-Regel aus. Damit machten sie dem eigenen Club (und den anderen VfB-Fans) klar, was sie von der Ausgliederung der Profisparte in eine Aktiengesellschaft halten. Diese wurde von den VfB-Mitgliedern zu 84,2 Prozent Anfang Juni entschieden.

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1. FC Nürnberg – FSV Mainz 05

1. FC Nürnberg

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Die Fans des FCN gedachten in ihrer Choreografie an den verstorbenen Fan Ammon "Deddy" Detlef, der am 16. Mai nach langer und schwerer Krankheit im Alter von nur 47 Jahren verstarb. ("Faszination Fankurve")

Mainz 05

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Die Mainzer Fans zeigten eine rauchige Choreo und feierten die Ultrabewegung.

FC Schalke 04 - Hertha BSC

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"Fußballspielen statt diskutieren – Videobeweis abschaffen", forderte die Schalker Nordkurve und einige andere Schalker kritisierten den Videoassistenten gleich mit dem vielsagenden Spitznamen "Video-Assi".

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Was sagt ihr zu den Fan-Aktionen? Haben wir eine vergessen? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

(bn)

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"30.000 Zuschauer als Sitzschalen verkleidet" – so wurde das El Plastico gefeiert

RB Leipzig gegen TSG Hoffenheim. Der Tabellenvierte gegen den Tabellenachten. An einem Montagabend. Die überhaupt erst siebte Begegnung dieser beiden Teams lockte immerhin noch um die 33.000 Zuschauer in die Leipziger Arena.

Während die Zuschauer im Stadion ein von Taktik geprägtes 1:1 zu sehen bekamen, bestachen die Fans der anderen Vereine mit Schadenfreude über das als "El Plastico" verschriene Duell.

Und weil wir Schadenfreude lieben, wollen wir euch diese natürlich nicht vorenthalten.

(bn)

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