International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Beamten-Paradies IS – Dokumente zeigen die Bürokratie der Terroristen

21 Felder ausgefüllt, Unterschrift, Stempel darunter – Ibrahim Muhammad Khalil hielt in kugelschreiberblau fest, was er getan hatte: Der 14-Jährige war von einem IS-Polizisten beim Lachen während des Gebets erwischt worden.

So nachzulesen auf einem Formblatt, das die US-Journalistin Rukmini Callimachi aus den Hinterlassenschaften des Islamischen Staats in Mossul fischte. Ihr Fund gibt erstaunliche Einblicke in die Bürokratie des IS.

Callimachi sicherte und wertete 15.000 Dokumente aus, die vor allem eines zeigen: Die Terroristen wollten in ihrem Territorium alles andere als Anarchie, es wurde auch ein Papierkrieg geführt.

"Zusammengenommen zeigen die Dokumente das Innenleben eines komplexen Regierungssystems", so Callimachi. "Sie zeigen, dass die Gruppe für eine begrenzte Zeit ihren Traum verwirklicht hat: ihren eigenen Staat zu errichten, der ihrer strengen Auslegung des Islam folgt."

Absurde Kleinlichkeit der Terroristen

Die Steuerbescheide, Verkaufsbelege, Anforderungsformulare und Geburtsurkunden stammen zum Großteil aus Mossul – der wichtigsten Metropole im Islamischen Staat.

Am 9. Juli 2017, als der Irak die vollständige Rückeroberung der Stadt meldete, war Callimachi dort. Sie kramte im Müll, zog Schubladen auf, suchte in Betten und stöberte in Aktentaschen nach Dokumenten der Terroristen.

Ihr Fund ermöglicht einen genauen Blick auf die IS-Strukturen. Die Terroristen zwangen Beamte, ihre Arbeit fortzusetzen und so funktionierten die Behörden weiter, nur mit anderen Regeln: Die Männer mussten in Hosen erscheinen, die nicht zu lang sein durften und sich Bärte wachsen lassen.

Gut dokumentierte Enteignungen

Die Beamten mussten Listen über Land führen, das Schiiten und Christen gehörte – und das einfach an Sunniten verpachtet wurde. Es gab Enteignungen auf Antrag von Sunniten, kartografiert und sauber festgehalten. Die "New York Times" zeigt die Belege.

Mit der Verpachtung konfiziszierten Landes und beschlagnahmter Gebäude entstanden neue Einnahmen, dazu kamen neue Steuern, die penibel erhoben wurden.

Die Dokumente zeigten, so Callimachi, dass Erdöl gar nicht die Haupteinnahmequelle der Miliz war: Es waren die Steuern auf jede Form des Handels und Wirtschaftens, dazu eine Pauschalsteuer für den IS.

Der gut funktionierende Verwaltungsapparat quetschte die Menschen aus, bis zuletzt. Es gibt Belege über Geldflüsse, während im Nachbarstadtteil schon die Panzer der irakischen Regierungstruppen vorrückten.

Investionen für die Bevölkerung

Zugleich habe der IS aber auch investiert: Die Stromversorgung wurde verbessert, Straßen repariert. Es gab neue Büchern für die Schulen. In einem Englischbuch sollten die Kinder Buchstaben lernen mit Bildern einer vollverschleiertenFrau oder einem Scharfschützen.

Polizeidokumente zeigen Festnahmeprotokolle wegen Augenbrauenzupfens, unangemessener Haarschnitte oder des Spielens von Musik. Ertappte Bürger mussten Schuldbekenntnisse unterschreiben - und versprechen, sich zu bessern.

Heute hat der IS in seinem verbliebenen Herrschaftsgebiet nur noch wenig Möglichkeit, Knöllchen zu verteilen. Er ist zwar in Syrien noch nicht besiegt, aber hält nur noch ein kleines Gebiet in der Region Deir ez-Zor am Euphrat.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de.

Das könnte dich auch interessieren:

Das "GoT"-Finale war meine allererste Folge der Show – das habe ich über die Serie gelernt

Link zum Artikel

Der neue Song von Shirin David ist eine Abrechnung mit ihrem Vater

Link zum Artikel

Ariana Grande und BTS: Insider verrät, dass gemeinsamer Song "nur eine Frage der Zeit" ist

Link zum Artikel

16 peinlichen Instagram-Werbungen, die nach hinten losgegangen sind

Link zum Artikel

Helene Fischer lief weg und schrie: Luxus-Makler plaudert über den Hauskauf mit Flori

Link zum Artikel

Falscher Professor? Vorwürfe gegen einen AfD-Europakandidaten

Link zum Artikel

"Zweifel, Ängste, schlaflose Nächte" – Das sagen "die Lochis" zu ihrem Aus

Link zum Artikel

Vanessa rechnet nach "GNTM"-Aus mit ProSieben ab – jetzt antwortet der Sender

Link zum Artikel

16 Cartoons, die unsere Gesellschaft auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Pressekonferenz in Sonnenbrille: Loredana streitet Betrug ab und wird laut

Link zum Artikel

ESC: Peinlich! Sisters geben zu, wo sie bei der Punktevergabe waren

Link zum Artikel

Aus 7 wird 1: So brach die AfD im EU-Parlament auseinander

Link zum Artikel

Darum ist das neue Album nur zu 80 Prozent Rammstein – eine (kleine) Enttäuschung

Link zum Artikel

180 Staaten bekämpfen jetzt den Plastikmüll – mit einem globalen Pakt

Link zum Artikel

"GoT": Doku zeigt, wie Kit Harington am Set in Tränen ausbrach – jetzt wissen wir, warum

Link zum Artikel

So sehen BTS als alte Männer aus – und wir haben Fragen

Link zum Artikel

Youtuber Rezo greift die CDU an – so wehrt sich die Partei

Link zum Artikel

Samra und Capital Bra: Neuer Song Wieder Lila ist schon jetzt ein Hit

Link zum Artikel

ESC 2019: Dieter Bohlen über Luca Hänni: "Ich hätte den Mut dazu nie gehabt"

Link zum Artikel

"Grenze überschritten": GNTM-Vanessa wehrt sich gegen ProSieben – Simone schaltet sich ein

Link zum Artikel

"GoT": 8 Fehler, die dir genauso entgangen sind wie der Kaffeebecher

Link zum Artikel

Warum sind wir manchmal traurig nach dem Sex?

Link zum Artikel

"In dieser Liga ist die Relegation etwas Gutes" – die besten Witze zum HSV-Gau

Link zum Artikel

Das Schlimmste am Wochenende: Menschen auf dem Markt

Link zum Artikel

Ed Sheeran und Justin Bieber: "I Don't Care" kann der Song des Sommers werden

Link zum Artikel

Das sagt Lena Meyer-Landrut den S!sters vor dem ESC– ein großer Fan ist sie wohl nicht

Link zum Artikel

Lena Meyer-Landrut macht Fan mit Post bei Instagram glücklich

Link zum Artikel

Oops, they did it again: Fans entdecken peinlichen Fehler im "GoT"-Finale

Link zum Artikel

Sie soll ein Paar um 614.000 Euro betrogen haben – Rapperin Loredana festgenommen

Link zum Artikel

Achtung, Spoiler! Die besten Reaktionen zum "Game of Thrones"–Finale

Link zum Artikel

Strache-Skandal in Österreich – Kanzler Kurz soll Neuwahlen wollen

Link zum Artikel

Daenerys wer? Die 17 fatalen Probleme des "Game of Thrones"-Finales

Link zum Artikel

Diese 13 Memes über Bran in "Game of Thrones" bringen dich trotz allem zum Lachen

Link zum Artikel

"Game of Thrones"-Autor gibt Hinweis, wie es nach dem Ende der Serie weitergeht

Link zum Artikel

Herzzerreißende "GoT"-Szene mit Daenerys und Jon – Fans sind erschüttert

Link zum Artikel

So emotional nehmen die "GoT"-Stars nach dem Finale Abschied von der Serie

Link zum Artikel

Dieser seltsame Vogel ist ausgestorben ... kommt aber immer wieder zurück von den Toten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die krassesten Plakate zur Europawahl kommen nicht von den Parteien

Es ist leicht, sich über Wahlplakate lustig zu machen. Haben wir auch schon getan. Inhaltslose Slogans, gestellte Fotos, Photoshop-Fails: Wahlplakate From Hell eben.

Es könnte auch anders gehen. Das zeigt eine Kampagne des Berliner Gemeinschaftsprojekts "Operation Götterfunken" (Beethoven, Europahymne, ihr wisst schon). Ihr Ziel ist es, wie auf ihrer Webseite steht: "Wir wollen die junge Generation Europa zur Wahl bewegen."

Hinter der Kampagne steckt der Pariser Thinktank Argo und die deutsche …

Artikel lesen
Link zum Artikel