International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Der US-Landwirt Gary Hougar will Trump unterstützen – trotz aller Eskapaden des Präsidenten. dpa

Wie dieser Farmer unter Trump leidet – und ihn trotzdem wählt

Hinter Gary Hougar liegt kein leichtes Jahr. "Es ist vermutlich das Schwierigste seit Beginn meiner Selbstständigkeit im Jahr 2007", erzählt der Bauer aus Pennsylvania, während er auf seinem Feld bei Richboro die letzte Sojabohnen-Ernte des Jahres einholt. Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelskrieg mit China hat dem Bauern stark zugesetzt, und wie ihm geht es vielen seiner Kollegen in den USA. Dennoch: Vor den Kongresswahlen an diesem Dienstag - den Midterms - steht Farmer Hougar weiter hinter Trumps Politik.

Bis zu 30 Prozent Einbußen beklagt der Farmer

Es ist einer dieser klaren und kalten Herbsttage, an denen die bunten Bäume ihre ersten Blätter verlieren. Von Philadelphia kurvt man eine gute Autostunde über Pennsylvanias malerische Landstraßen, bis man Hougars Farm erreicht. Seine Felder liegen im Südwesten des Bundesstaates verstreut. Mit seiner Frau und seinen fünf Kindern lebt er auf einem der zahlreichen Bauernhöfe in der Gegend.

Chinas Importzölle drücken die Verkaufspreise des Bauern stark. Für Soja sind die Preise seit Anfang Mai auf ein Zehn-Jahres-Tief gefallen. "Im Moment sind meine Einnahmen mit Sojabohnen um 20 bis 30 Prozent reduziert", schätzt der 35-Jährige und seufzt.

Auch die US-Zölle, die Trump unabhängig von den Maßnahmen gegen China weltweit auf Aluminium und Stahl verhängt hat, machen ihm und seinen Kollegen zu schaffen, erzählt Hougar. Als Konsequenz seien die Preise für landwirtschaftliche Maschinen merklich gestiegen. "Ich habe in diesem Jahr nicht so viel an neuer Ausrüstung gekauft oder Maschinen nachgerüstet. Wir haben alle unsere Gürtel ein wenig enger geschnallt."

Nicht nur die Zölle seien in diesem Jahr ein Problem gewesen, sagt Hougar. "Der durchschnittliche Regenfall in Pennsylvania lag in diesem Jahr viel höher als sonst." Außerdem suche er dringend qualifiziertes Personal für die Bewirtschaftung seiner Felder: "Ich könnte noch zwei oder drei weitere Leute einstellen, aber ich kenne niemanden, der auf einer Farm arbeiten will."

Trotz allem: Farmer Hougar ist nicht verbittert, er jammert nicht, macht keine Schuldzuweisungen.

Nüchtern erklärt er, warum das Jahr so eine große Herausforderung war. Er klingt zuversichtlich, während er spricht, ab und an macht er einen Scherz. In seinen Augenwinkeln liegt etwas Verschmitztes. Seinen Optimismus lasse er sich nicht so einfach nehmen, sagt er. Bald schon werde alles besser werden.

Um die Bauern in diesem schwierigen Jahr zu unterstützen, versprach die US-Regierung im Juli 12 Milliarden US-Dollar (10.3 Milliarden Euro) Hilfe. Sie kaufte Produkte betroffener Bauern auf und vergab Subventionen. Nach eigenen Angaben erhält Hougar zur Zeit rund 2.5 Dollar-Cent pro Kilo Sojabohnen vom Staat. "Es könnte mehr sein, aber es hilft", sagt er. Er sei froh, dass er neben Sojabohnen auch andere Produkte wie Stroh, Heu und Korn anbaue und verkaufe. So habe er die Defizite "einigermaßen" ausgleichen können.

Pennsylvania ist einer derjenigen Staaten, in denen Trump bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 überraschend die Mehrheit holte. Die städtische Bevölkerung etwa in Philadelphia oder Pittsburgh konnte die Stimmen der oft fundamental-christlichen Landbevölkerung nicht ausgleichen. Auch Hougar und seine Familie gehören einer evangelikalen Freikirche an, sie sind Mennoniten. Gott spiele im Alltag und bei seiner Arbeit eine wichtige Rolle, sagt er.

So einfach kannst du Trump anrufen

abspielen

Bei den US-Zwischenwahlen an diesem Dienstag liefern sich in den Wahlbezirken konservative Republikaner und Kandidaten der liberaleren Demokraten erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die regionalen Kandidaten beider Parteien zeigen sich äußert vorsichtig, was die Bewertung von Trumps Handelspolitik angeht. Sie wissen, dass viele Menschen trotz persönlicher Einbußen hinter Trumps Politik stehen.

Denn obwohl Bauer Hougar leidet, findet er, dass Zölle notwendig sind: "Jetzt im Moment schaden sie meinem Geldbeutel, aber ich denke, langfristig werden wir alle von den Zöllen profitieren." Er ist der Überzeugung, dass sich alles einpendeln werde, solange man dem Konzept genug Zeit gebe. "Bald schon werde ich anstatt einem Kunden zwanzig Kunden aus meiner Region haben", glaubt er. Wie genau der Handelskonflikt mit China seinen lokalen Kundenstamm vergrößern soll, darauf hat der Bauer allerdings keine schlüssige Antwort.

Hougar möchte mit seinem Bauernhof, "ein Gewinn für die Gemeinschaft" in seiner Umgebung sein. "Wir wollen verantwortungsbewusste Verwalter des uns anvertrauten Landes sein", heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Heimatverbundenheit ist ihm wichtig, dem Handel mit den Chinesen steht er hingegen kritisch gegenüber: "Die Qualität ihrer Produkte ist nicht gut, und einige unserer ethischen Standards sind einfach nicht ihre. Jetzt bekommen sie, was sie verdienen."

Er schätzt Trumps "gewissen Geschäftssinn"

Aussagen wie die des Bauern Hougar drängen die regionalen Kandidaten zu möglichst milden Bewertungen des Handelskonflikts. So erklärte selbst die demokratische Abgeordnete in Pennsylvanias siebtem Bezirk, Susan Wild, in einem Interview des US-Senders CNBC, sie werde sich bei der Zollpolitik "offen" verhalten. Sie erkenne die Notwendigkeit an, China für seine Handelspraktiken "verantwortlich" zu machen. Die Umfragewerte für die Demokraten in Pennsylvania sehen womöglich auch deshalb derzeit nicht schlecht aus.

Hougar wählt schon immer republikanisch, auch bei den Midterms. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 stimmte er für Trump, und er würde es wieder tun, sagt der Farmer, während er von seinem Mähdrescher steigt. "Ich bin mit vielem, was Trump tut, nicht einverstanden, mit einem Teil seines Privatlebens zum Beispiel. Aber Trump hat einen gewissen Geschäftssinn, den ich sehr schätze."

(pb/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

WLAN auf dem Mars? Bibis Beauty Palace liefert TV-Blamage für die Ewigkeit

Link zum Artikel

Hauptsache weiterhin männlich – die verzweifelte Suche der Kirche nach Priestern

Link zum Artikel

"Wenn's dir gefällt, mach es einfach" – wieso Alexander in die sibirische Kälte zog

Link zum Artikel

Nach rassistischem Pullover – Rapper nehmen Entschuldigung von Gucci nicht an

Link zum Artikel

"Aber so ist es halt grad" – wir haben 3 Obdachlose an ihre Schlafplätze begleitet

Link zum Artikel

9 Promis, die gerne (un)heimlich im Foto-Hintergrund rumlungern

Link zum Artikel

Ja, ich gestehe, ich habe Modern Talking gehört

Link zum Artikel

Teste den Sound von DOCKIN und sag uns deine Meinung!

Link zum Artikel

Netflix macht's einfach selbst – und will 3 Filme mit deutschen Stars drehen

Link zum Artikel

Das Wunder von Montana: Gefrorene Katze Fluffy wurde aufgetaut und überlebt

Link zum Artikel

Wenn du deinen Job auch so im Griff hast wie diese 17 Menschen, darfst du heute früher heim

Link zum Artikel

Rechtsextremismusverdacht: Bundeswehr suspendiert offenbar Elitesoldaten

Link zum Artikel

Stelle dich unserem ultimativen GNTM-Quiz für Superfans!

Link zum Artikel

Spieler selbst aufstellen – dieser Verein ist der Traum jedes FIFA-Fans

Link zum Artikel

Kartellamt schränkt Facebook beim Datensammeln ein

Link zum Artikel

Kartellamt verpasst Facebook blaues Auge – muss Zuckerberg das Datensammeln einstellen?

Link zum Artikel

"Weißbier trinken und die Klappe halten" – Assauers 14 ikonischste Zitate

Link zum Artikel

Real gratuliert Ronaldo nicht zum Geburtstag – und die CR7-Fans sind empört

Link zum Artikel

Jetzt erkennen die Briten langsam den Brexit-Irrsinn – Panik kommt auf

Link zum Artikel

Jodel: Auf einer Party rast sie aufs Klo – und merkt zu spät, dass es gar keins war...

Link zum Artikel

Weil 5 Pfarrer Geflüchteten halfen, wurden nun ihre Häuser durchsucht

Link zum Artikel

Die Karriere von Rudi Assauer in 15 bewegenden Bildern

Link zum Artikel

Suche nach Fußballer Sala –  Erste Leiche aus Flugzeugwrack geborgen

Link zum Artikel

Kartellamt gegen Facebook: Steht der "Gefällt mir"-Button auf der Kippe?

Link zum Artikel

Wenn du Andrea Nahles heißt, dürften dir diese Umfrage-Ergebnisse nicht gefallen

Link zum Artikel

Trump nominiert Ökonom Malpass als Weltbank-Chef – sein Idee ist an Ironie kaum zu toppen

Link zum Artikel

"Kritische Schwelle" erreicht: So heiß wird die Erde in den nächsten 5 Jahren

Link zum Artikel

Gasexplosion in San Francisco – Flammen schießen meterhoch aus dem Boden

Link zum Artikel

Zigaretten rauchen erst ab 100 Jahren und 7 weitere kuriose Gesetze

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Auf Hawaii hat's geschneit. Richtig gelesen: Auf Hawaii!

In Deutschland rieselt es im Süden ein wenig, während im Rest des Landes vom Winter dann doch eher wenig zu spüren ist. Ganz anders sieht es im zumeist paradiesischen US-Staat Hawaii in diesen Tagen aus. (geek.com)

Auf bis zu minus elf Grad soll es sich laut Berichten am Montag auf der Insel abgekühlt haben – laut dem Wetter-Experten Christopher Burt möglicherweise ein historischer Tiefswert. Ihm zufolge sollen vergleichbare Werte zuletzt 1979 auf der Pazifik-Insel gemessen worden sein. …

Artikel lesen
Link zum Artikel