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Anschlag an Silvester: Ein Autofahrer ist in Bottrop zielgerichtet in eine Menschengruppe gefahren. t-online

Was bislang über die Amokfahrt von Bottrop bekannt ist

Er setzt sich in der Silvesternacht ins Auto – und fährt Passanten um. Weil er Ausländer töten wollte, sagt der NRW-Innenminister. Im Internet kursieren Videos, die offenbar die Tat zeigen.

lars wienand

Bottrop wollte eigentlich am Neujahrstag den Start ins Jubiläumsjahr "100 Jahre Stadt" feiern. Eine Amokfahrt um kurz nach Mitternacht hat die Pläne auf schreckliche Weise durchkreuzt.

Als die Feuerwehr Bottrop am Neujahrsmorgen um kurz vor 7 Uhr ihre Bilanz verschickt, nimmt kaum jemand Notiz davon. 37 Einsätze, darunter ein "Unfall", der trotz eines Schwer- und vier Leichtverletzten nur wenig Aufmerksamkeit bekommt. Gegen 13.30 Uhr ändert sich das schlagartig.

Der "Unfall" war keiner, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Erklärung mit. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul wird rund drei Stunden später noch deutlicher:

"Es gab die klare Absicht dieses Mannes, Ausländer zu töten."

Das sagt er in einer improvisierten Pressekonferenz in Bottop. "Man fährt nicht zufällig an vier unterschiedlichen Stellen auf Menschengruppen zu."

Der 50 Jahre alte Fahrer sei mit seinem silbernen Mercedes schon vor Mitternacht in Bottrop auf eine Person losgefahren, habe es dann nach seiner Amokfahrt noch in Essen probiert. "Er fuhr offenbar so auffällig, dass die Menschen dort sich in Sicherheit bringen konnten." Insgesamt spricht Reul von vier Tatorten und mindestens fünf Verletzten.

Was zeigen die Videoaufnahmen?

Es gibt Videoaufnahmen aus Bottrop, die offenkundig die Fahrt des Mannes zeigen. Sie kursierten auf WhatsApp. Das Auto in den Aufnahmen ist nicht schnell unterwegs, als es von der Osterfelder Straße abbiegt in Richtung Berliner Platz und auch nicht bremst, obwohl dort Menschen auf der Straße stehen. Sie können sich in Sicherheit bringen.

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Der Screenshot zeigt das Auto auf dem Berliner Platz in Bottrop. t-online.de hat die Originalquelle des Videos noch nicht ausfindig machen können Bild: sreenshot

Doch dann erreicht das Auto den Berliner Platz. Raketen steigen in die Höhe, zunächst nimmt kaum jemand Notiz von dem Auto, das seitlich an der Bühne vorbeifährt. Menschen direkt vor dem Auto drehen sich um, greifen zur Motorhaube – und der Wagen fährt weiter. Der Fahrer lenkt nach links in Richtung eines weißen Pavillons. Als er zurücksetzt, sieht man eine Person am Boden liegen, Menschen schreien, suchen Schutz.

Das ist über den Amokfahrer bekannt

Der Amokfahrer war wegen psychischer Probleme in Behandlung, ergeben erste Ermittlungen. Die Polizei hat damit schon einmal Erfahrung sammeln müssen. Kurz vor Weihnachten war in Recklinghausen ein 32 Jahre alter Deutscher möglicherweise mit Suizidabsicht in eine Bushaltestelle gefahren und hatte 14 Menschen verletzt, eine 88-Jährige starb. Und im April war der 48-jährige Jens R. mit einem Campingbus in Münster in eine Menschenmenge gefahren, erschoss sich danach. Sechs Tote und mehr als 20 Verletzte waren die traurige Bilanz. Keine Hinweise auf politische Motive, hieß es schließlich.

Nach der Amokfahrt von Bottrop liefert der Täter selbst den Hinweis, dass es diesmal anders sein könnte. Die Polizei kann ihn nur 18 Minuten nach der Bottroper Amokfahrt in seiner Heimatstadt Essen stoppen. "Bereits bei seiner Festnahme äußerte sich der Fahrer mit fremdenfeindlichen Bemerkungen", teilt die Polizei mit. Mehrere der Opfer sind Asylbewerber, es sind Personen aus Syrien und Afghanistan darunter.

Innenminister Reul zufolge ist der Tatverdächtige Deutscher. Beim Staatsschutz war der 50-Jährige bisher nicht als Neonazi aufgefallen. Untersuchungen dazu laufen, sagte Recklinghausens Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen auf der Pressekonferenz. "Wir sind dabei, seine Wohnung zu durchsuchen." Der Mann habe sich in einer ersten Vernehmung geäußert. "Die Einlassungen lassen es vermuten, dass es fremdenfeindliche Hintergründe sind", sagt die Polizeipräsidentin. Konkreter wird sich nicht.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul ist nach Bottrop gekommen, lässt sich von Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD) zeigen, von wo das Auto auf den Platz und in die Menschen fuhr. In Bottrop sollte an diesem Tag die Feiern zum 100. Geburtstag der Stadt mit dem "Neujährchen" beginnen, einem Konzert um 14 Uhr. "Das Fest habe ich natürlich angesichts der furchtbaren Ereignisse abgesagt", sagt der Oberbürgermeister.

Die Nachricht von der Absage verbreitet sich in Bottrop schon, als vielen der ganze Hintergrund noch gar nicht klar ist. "Ich bin in Gedanken bei den Verletzten", sagt Tischler.

Wie viele es sind, ist noch nicht wirklich klar, sagt Innenminister Reul. Eine Frau schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr, auch ein Kind ist unter den Verletzten. Möglicherweise haben sich manche Opfer mit leichteren Verletzungen noch nicht gemeldet, sagt Reul. Polizeipräsidentin Zurhausen versichert, dass die Opfer von Opferschutzbeauftragten betreut und nicht alleine gelassen werden.

Dieser Artikel ist zuerst auf t-online erschienen.

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