International

Küsschen und gequälte Blicke – so verlief das Trump-Merkel-Treffen 

FABIAN REINBOLD aus washington

Donald Trump und Angela Merkel gaben sich beim gestrigen Treffen im Weißen Haus sichtlich Mühe. Merkel brachte ein Gastgeschenk aus der Heimat von Trumps deutschen Vorfahren mit und tat das, was der US-Präsident am besten findet: Sie lobte ihn, wenn auch nur ein bisschen. Und Trump lobte Merkel, versicherte ihr, dass "unser Bündnis stark" sei und dass er ihr – zumindest beim gemeinsamen öffentlichen Auftritt – keinerlei Vorwürfe beim Handelsstreit mache.

Vor dem Hintergrund des prunkvollen und herzlichen Besuchs von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron unter der Woche wirkte Merkels Arbeitsbesuch schon vorab wie eine zweitklassige Angelegenheit.

Kurz: Es war ein heikler Besuch von Angela Merkel bei Donald Trump. Sie wollten betont nett zueinander zu sein, aber seine Witzchen irritieren sie sichtlich. Das Treffen zusammengefasst:

Zu viele Streitpunkte und keine Chemie zwischen beiden

Komplizierter wurde das Treffen durch den Umstand, dass aktuell viele Streitthemen zwischen Trump und Merkel, zwischen den USA und Deutschland zu klären wären. Im Handelsstreit droht Eskalation, Trump ist verärgert über Deutschlands Exportüberschuss in die USA, Merkel besorgt über Trumps mögliche Aufkündigung des Iran-Abkommens.

Zudem stimmt die Chemie zwischen Merkel und Trump nicht. Trump sah Merkel, die nach dessen Wahlsieg zur neuen Anführerin der freien Welt hochgeschrieben wurde, anfangs als echte Rivalin – bis diese sich zurückzog und monatelang nicht mit Trump sprach.

Das Treffen stand also von Anfang an im Krisenmodus: Nur keine Eskalation – und gute Stimmung verbreiten, lautete das Motto. Das merkte man im Weißen Haus während der gesamten Besuchszeit von 2 Stunden und 40 Minuten.

Trump ist plötzlich "stolzer Enkel" deutscher Einwanderer

Es begann schon Minuten vor der Ankunft der Kanzlerin, als Trumps Pressestelle eine Mitteilung über die angeblich wunderbaren Beziehungen verschickte. Dort wurde Trump gar als "stolzer Enkel" eines deutschen Einwanderers bezeichnet – dabei tat Trump zu seinen New Yorker Zeiten jahrelang so, als stamme er von einem Schweden ab.

Merkel fuhr vor und bekam ein Küsschen – nicht wie Macron gefühlte 20 über drei Tage, aber immerhin. Im Oval Office gab es den Handshake für die Kameras, den Trump 2017 trotz Merkels Bitten verweigert hatte. Wieder ein Eklat abgewendet.

Merkel brachte einen Kupferstich aus dem Jahr 1705 mit, der die Heimatregion von Trumps Vorfahren – die Rheinpfalz – zeigt. Die Kanzlerin bot dem Präsidenten sogar an, ihm diese Ecke Deutschlands mal persönlich zu zeigen.

Trump: "Angela macht einen fantastischen Job. Aber wir werden euch einholen"

Ganz deutlich wurde die Strategie der vorsichtigen Annäherung auf der gemeinsamen Pressekonferenz im East Room, bereits in den Eingangsstatements, die die beiden Regierungschefs ablasen: Trump von Blättern, die in Großbuchstaben bedruckt waren, Merkel von handgeschriebenen Notizen.

Merkel versuchte es mit Themen, von denen sie hoffen konnte, dass sie Trump emotional ansprechen: Sie betonte die zahlreichen Verbindungen durch in Deutschland stationierte US-Soldaten (Trump liebt das Militär). Sie gelobte, Trumps frisch bestätigtem Botschafter Richard Grenell einen herzlichen Empfang zu bereiten. Sie lobte Trumps Steuerreform.

Trump wiederum lobte Merkel. "Angela vertritt Deutschland, sie macht einen fantastischen Job." So weit, so gut. Und dann ergänzte Trump: "Aber wir werden Euch einholen." Ein typisch Trump’scher Spruch. Aber Merkels Miene war plötzlich sichtlich gequält.

Dies war auch der Fall, als Trump von einem US-Journalisten nach seinem Leibarzt Ronny Jackson gefragt wurde (den Trump zum Minister machen wollte, der sich aber am Donnerstag davon zurückzog.) Trump lamentierte wieder einmal darüber, wie gemein der Politikbetrieb zu seinen Leuten sei und sagte, während er sich zu Merkel drehte: "Washington kann ein sehr fieser Ort sein. Aber das wissen Sie nicht, Kanzlerin." Merkels Blick: wieder gequält.

Missmutige Blicke der Kanzlerin

Wenn man direkt vor den beiden saß, konnte man die missmutigen Blicke der Kanzlerin kaum übersehen.

Solche Momente verraten viel. Oft schaute Merkel zu Trump, und Trump zu Merkel, doch ihre Blicke trafen sich nur selten. Und Merkel bemühte sich offenkundig nicht – oder sie schaffte es zumindest nicht – ihre Meinung zu Trump allzu sehr zu verbergen.

Bei den Streitthemen gab es keinerlei Annäherung 

  1. Bei den deutschen Verteidigungsausgaben bekräftige Trump seine Meinung, nach der die USA im Rahmen der Nato zu sehr belastet würden, weil Deutschland seine Versprechen nicht einhalte. Und Merkel bot dabei nichts an, was den US-Präsidenten hätte besänftigen können.
  2. Beim Handelsstreit betonte Trump zwar, dass nicht Merkel Schuld trage am US-Handelsdefizit mit Deutschland, sondern "meine Vorgänger, die diese Entwicklung erlaubt haben". Kaufen kann sich Merkel dafür nichts. Auf eine Journalistenfrage, was denn nun passiere, wenn am 1. Mai die Ausnahmeregelung für die EU von Trumps Importzöllen auf Stahl und Aluminium auslaufe, konnte Merkel nicht mehr sagen als: "Der Präsident entscheidet."
  3. Ebenso ist es beim Thema Atomabkommen mit dem Iran. Wie zuvor Macron appellierte Merkel daran, dass es mit einem Ausstieg aus dem Deal unmöglich werde, weitere Zugeständnisse von Teheran zu bekommen. Aber ob Trump das Abkommen trotzdem an der von ihm gesetzten Deadline am 12. Mai aufkündigen wird, weiß nach wie vor niemand.

Merkel und Trump leben in verschiedenen Welten

Außer allerlei netter Gesten und Worte brachte das Treffen also keinerlei neue Dynamik in die Beziehungen zwischen Trump und Merkel, ins aktuell schlechte deutsch-amerikanische Verhältnis oder in die Streitthemen mit potentiell weit reichenden Folgen.

Es wirkte, als ob Merkel Trump bereits aufgegeben hat und ihn eher belustigt betrachtet. Frei nach dem Motto: Man kann ihn eh nicht umstimmen, warum dann großartig Mühe verschwenden.

Positiv betrachtet wurde ein Eklat abgewendet, das Verhältnis stabilisiert. Die Bundeskanzlerin ist nicht eingeknickt. Der Besuch machte aber auch deutlich, dass Merkel und Trump in zwei völlig verschiedenen Welten leben.

Was das für Deutschland bedeutet, bleibt offen. Nähere Erkenntnisse gibt es dann, wenn die kommenden Deadlines ablaufen, für Trumps Strafzölle am 1. Mai und für den Iran-Deal am 12. Mai. Oder bei der nächsten Deutschland-Kritik per präsidialem Tweet.

Dieser Text erschien zuerst auf t-online

Das könnte dich auch interessieren:

Greta Thunberg liest auf dem Segelboot "Still" – was das über sie aussagt

Link zum Artikel

Heidi Klum postet Grotten-Foto – und muss nach Shitstorm den Beitrag ändern

Link zum Artikel

Perisic richtet Worte an Sané – und erklärt, was er nach dem Bayern-Anruf tat

Link zum Artikel

Segler-Paar über Gretas Segelreise: "Als würde man sich in eine Rakete setzen"

Link zum Artikel

Warum der FC Bayern derzeit an sich selbst scheitert – und was das mit Sané zu tun hat

Link zum Artikel

"Promi BB": Kollege von Bewohnerin stirbt – so wird Janine vom Tod erfahren

Link zum Artikel

Kuss bei "Promi Big Brother" war peinlich? Von wegen: Hier kommt Stalker Joey Heindle

Link zum Artikel

"Promi Big Brother": Beliebter Kandidat sollte keine Sendezeit bekommen

Link zum Artikel

"Steh da wie ein Spacko" – Lena Meyer-Landrut kotzt sich bei ihren Fans aus

Link zum Artikel

PR-Desaster Sané: Ex-Bayern-Coach Hitzfeld kritisiert die Bosse

Link zum Artikel

Coutinho verrät seine Lieblingsposition – und bringt die Bayern damit in ein Dilemma

Link zum Artikel

"Promi Big Brother": Zlatko ist raus – warum er scheiterte und was er über Jürgen sagt

Link zum Artikel

Wie Salihamidzic die Transfers des FC Bayern vergeigte – und die Spieler dies ausnutzten

Link zum Artikel

Warum Whatsapp für das iPhone massiv überarbeitet werden muss

Link zum Artikel

Nach Tod von Ingo Kantorek: RTL 2 schneidet einige Szenen aus "Köln 50667"

Link zum Artikel

Erzieherin: "Was viele Kollegen in Kitas tun, ist eigentlich Kindesmisshandlung"

Link zum Artikel

Jede Menge Regelverstöße bei "Promi Big Brother" – doch der Sender ahndet das nicht

Link zum Artikel

ZDF-"Fernsehgarten": Jetzt ist klar, was hinter Mockridges Skandal-Auftritt stecken soll

Link zum Artikel

FC Bayern stellt Perisic auf Instagram vor – viele Fans sind wütend

Link zum Artikel

Zuschauer stellt Höcke NPD-Frage – bei seiner Antwort schmunzelt er

Link zum Artikel

BVB-Doku auf Amazon zeigt Trauma des Anschlags – so nah waren wir noch nie dran

Link zum Artikel

Sané-Ersatz: Warum der FC Bayern mit Perisic alles richtig gemacht hat

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

AfD-Politiker beklagt vor Merkel fehlende "Meinungsfreiheit" – sie reagiert cool

Die Kanzlerin ist wieder da. Angela Merkel ist zurück aus dem Urlaub: Sie wirkt gut erholt, und ihre ersten öffentlichen Auftritte sind ein Heimspiel – in ihrem Wahlkreis in Vorpommern.

Naulin warf Merkel vor, das Land gespalten zu haben: "Durch Ihre Politik gibt es keine Meinungsfreiheit und keine Demokratie mehr in Deutschland." Und er fügte hinzu: "Frau Merkel, fühlen Sie sich verantwortlich, das Land gespalten zu haben?"

Die Kanzlerin lächelte Naulin zu: "Dass Sie hier sitzen, mir …

Artikel lesen
Link zum Artikel